Drittes Domizil der "Volkswacht" in der Arndtstrasse (ab 1912)

Heute: Sitz der Geschäftstelle der SPD-Fraktion im Regionalrat des Regierungsbezirks Detmold, der SPD OWL und des Unterbezirkes Bielefeld

Im Januar 1994 wurde der Parteibezirk Ostwestfalen-Lippe 100 Jahre alt. Aus Anlass dieses Jubiläums wurde der Bildband "Demokratie: unser Weg, Demokratie: unser Ziel - Aufbau und Ausbau der ostwestfälisch-lippischen Sozialdemokratie" von der Historischen Kommission 1993 herausgegeben.

Zur Veranschaulichung des historischen Werdeganges der SPD OWL in der Region finden Sie einige Ausschnitte des Bildbandes hier wieder.

Frühsozialisten aus Ostwestfalen und Lippe z.B. Dr. Otto Lüning, Rheda, Arzt

Fahne des Ortsvereins Holzhausen - Externsteine : 1848 beschafften sich die Holzhauser Waldarbeiter diese schwarz - rot - goldene Fahne und trugen sie durch das Dorf. Die Fahne verschwand und wurde nach dem ersten Weltkrieg wieder gefunden. 1925 wurde sie der örtlichen SPD und dem Reichsbanner übergeben. Erst jetzt wird "1848" aufgenäht. Eine der Wurzeln der heutigen Sozialdemokratie und der jetzigen Gewerkschaftsbewegung in Ostwestfalen und den lippischen Freistaaten (OWL) reicht in die Zeit der beginnenden Industrialisierung um 1848 zurück. Die Not des vierten Standes, also der Arbeiterschaft, war groß. Erstmalig wurden Maschinen eingesetzt um bisher von Hand produzierte Gebrauchsgüter herzustellen, eine Entwicklung, welche die in den 40er Jahren des 19. Jahrhunderts beherrschende Not drastisch verschlimmerte. Noch nicht so sehr die unmittelbar Produzierenden - sie hatten nicht die Kraft hierfür -sondern überwiegend "studierte Kreise" wollten sich mit dem Elend nicht abfinden und waren für die demokratischen frühsozialistischen Ideen empfänglich. Viel zu lange hatten die deutschen Obrigkeitsstaaten - mit konsequenter Unterstützung der Kirchenfürsten - der Masse des Volkes alle Rechte vorenthalten. Die Französische Revolution von 1789 entfachte das Feuer freier Meinungsentfaltung auch in den deutschen Fürstentümern. Dies verstärkte sich nach 1815 in den Staaten des Deutschen Bundes, als die in Folge der Französischen Revolution einsetzenden Reformen ins Stocken gerieten und gegebene königliche Verfassungsversprechen nicht eingehalten wurden. Es waren vor allem Bürgerliche und Intellektuelle, die nach Konzepten für eine neue Gesellschaft suchten. OWL war ein Spiegelbild der Entwicklung in den deutschen Landen: Notzeiten wiederholten sich in immer kürzeren Abständen, die Wohnsituation des vierten Standes war katastrophal. Auch hier fand sich eine Gruppe bürgerlicher Reformer zusammen, welche auf Abhilfe sann. Einigen davon waren materielle Hilfen nicht ausreichend, diese sammelten sich um den in Rheda praktizierenden Arzt Dr. Otto Lüning. Sie forderten eine Änderung des herrschenden Systems und warben hierfür öffentlich. Dieser regionale lockere Zusammenschluss wurde als "Rhedaer" bzw. "Holter Kreis" bekannt. Die Mitglieder dieses Kreises forderten ein "Vereintes Vaterland" und bauten "Arbeiterhülfsvereine" auf in deren Versammlungen die Not und deren Abhilfe zusammen mit politischen Forderungen auf der Tagesordnung standen .....

"Hinein in den Konsum-Verein"

Innenansicht eines Konsum-Ladens, Bielefeld, Ziegelstr. 8, ca. 1930
Innenansicht eines Konsum-Ladens, Bielefeld, Ziegelstr. 8, ca. 1930

Die Geschichte der Arbeiterbewegung wird oftmals gleichgesetzt mit der Geschichte der Arbeiterparteien und der Gewerkschaften. Dass es neben diesen beiden Säulen spätestens seit der Jahrhundertwende mit den wirtschaftlichen Selbsthilfeunternehmen der Arbeiterschaft eine dritte Säule gab, ist weitestgehend in Vergessenheit geraten. Die Anfänge dieser Unternehmungen reichen zurück bis in die 1840erJahre, als es zur Gründung der ersten Produktivgenossenschaften kam. Der Fall des Sozialistengesetzes und die Verabschiedung des Genossenschaftsgesetzes ließen ab 1890 die Bemühungen um wirtschaftliche Selbsthilfe zu einer Massenbewegung werden.

"In der Vereinigung liegt die Stärke der Schwachen!" Baugenossenschaft Freie Scholle

Wohnanlage der Notgemeinschaft Metall, Auf dem Langen Kampe / Auf dem Niedern Esch, 1947
Wohnanlage der Notgemeinschaft Metall, Auf dem Langen Kampe / Auf dem Niedern Esch, 1947

Wenn es eine so mitgliederstarke und wirtschaftlich erfolgreiche Genossenschaft wie der Bielefelder Konsum - Verein seine Geschäftstätigkeit auf den Wohnungsbau ausdehnt, drängt sich die Frage auf, warum im Jahre 1911 aus der Arbeiterschaft heraus mit der Freien Scholle eine eigenständige Baugenossenschaft gegründet wird. Der Anstoß zu dieser Gründung kam dann auch nicht von Seiten der politischen oder gewerkschaftlichen Arbeiterbewegung, sondern er ging von Bielefelder Arbeiterturnern aus. Den in der Freien Turnerschaft zusammengeschlossenen Bielefelder Arbeiterturnvereinen war wiederholt die Benutzung städtischer Turnhallen durch den Magistrat der Stadt verweigert worden. Als im November 1910 erneut eine Eingabe der Turner von der Stadtverordnetenversammlung abgelehnt wurde, beschloss der Vorstand der Freien Turnerschaft die Gründung einer Baugenossenschaft, "die die Aufgabe haben sollte, dem Verein eigene Turnstätten zu schaffen".

Die Freie Scholle war damit die erste Baugenossenschaft in Westfalen, die ohne die Hilfe bürgerlicher Kreise allein von Arbeitern gegründet wurde... Als Unternehmenszweck legte das Statut fest:

"1. Die Errichtung von Wohnhäusern mit gesunden und preiswerten Wohnungen und deren Vermietung an die Mitglieder, namentlich an die Minderbemittelten.

2.Die Errichtung von Turnstätten und Vereinshäusern und deren Vermietung an Mitglieder oder Nichtmitglieder"......